Neuanfang mit Bo und Horst: Union Berlin sortiert sich neu

Mit Horst Heldt und Bo Svensson hat der 1. FC Union Berlin nach dem Beinahe-Abstieg in der vergangenen Saison zwei neue Protagonisten ins Boot geholt, die den Verein aus Köpenick wieder in ruhigeres Fahrwasser führen sollen. Aber nicht nur in der Führungsetage, sondern auch im Kader der „Eisernen“ stehen wichtige Veränderungen an.

© Foto Titelbild: IMAGO / Nordphoto
Text: Björn Leffler

 

Dass der 1. FC Union Berlin in der vergangenen Saison am letzten Spieltag nicht doch noch auf den Relegationsplatz gerutscht ist, hing tatsächlich am seidenen Faden. Erst ein Tor von Janik Haberer in der Nachspielzeit rettete die Köpenicker vor einem möglichen Duell mit Fortuna Düsseldorf, dem Drittplatzierten der 2. Liga.

Zuvor hatten die „Eisernen“ turbulente Wochen und Monate erlebt, denen unter anderem Cheftrainer Nenad Bjelica letztlich zum Opfer gefallen war. Viel zu lang hatte die Vereinsführung am umstrittenen Übungsleiter festgehalten – und die sportliche Talfahrt dabei gekonnt ignoriert.

Nena Bjelica entlassen, Oliver Ruhnert degradiert: Konsequenzen aus dem Beinahe-Abstieg

Dass infolge der chaotischen Saison auch der bisherige Geschäftsführer Oliver Ruhnert wieder in die “zweite Reihe” zurückgetreten ist, scheint folgerichtig – Konfliktpotential mit seinem Nachfolger auf dem Geschäftsführer-Posten, Horst Heldt, ist natürlich trotzdem vorhanden.

Um eine weitere Spielzeit wie die vergangene zu vermeiden, wird der 1. FC Union die Geschlossenheit und auch die Überzeugung der vergangenen Jahre benötigen, die den Köpenickern im Zuge einer Saison mit Champions League, Umzug ins Olympiastadion und permanentem Abstiegskampf verloren gegangen war.

Union auf der Suche nach der alten Geschlossenheit

Die Verantwortlichen werden daher nicht traurig sein, dass dem Verein eine Saison ohne Dreifachbelastung bevorsteht. Die Vereinskassen dürften durch die Erfolge der vergangenen Jahre ja zudem noch gut gefüllt sein, so dass zielgerichtet in eine Aufbesserung des aktuellen Kaders investiert werden kann.

Horst Heldt hatte bereits im Rahmen seiner ersten Pressekonferenz angedeutet, dass der Kader neu ausgerichtet werden soll. Vor allem im Sturm sieht die sportliche Führung großen Bedarf, da in der vergangenen Spielzeit das Toreschießen eines der größten Probleme darstellte – gepaart mit einer bislang ungewohnten defensiven Instabilität.

Die Zukunft von Robin Gosens bei Union ist noch unklar

Robin Gosens allerdings möchte dem Vernehmen nach den Verein schon wieder verlassen. Angeblich zieht es den (vorerst ehemaligen) Nationalspieler wieder zurück nach Italien, doch Sportchef Horst Heldt hat einem Wechsel des Flügelspielers bislang nicht zugestimmt.

Trainer Svensson konzentriert sich in der Trainingsarbeit aktuell darauf, seine neue Mannschaft besser kennenzulernen. Während der 1. FC Union in der vergangenen Saison auf große Namen gesetzt hat, soll der Ansatz in diesem Jahr wieder etwas mehr „Union-like“ sein. Bodenhaftung ist angesagt, auch in der Kommunikation nach außen.

Union Berlin: Nachwuchstalent Aljoscha Kemlein im Fokus

Passend dazu rückt derzeit ein Nachwuchstalent in den Fokus, welches in der abgelaufenen Saison an den FC St. Pauli ausgeliehen war und dort einen nicht unerheblichen Anteil am Aufstieg der Kiezkicker in die 1. Bundesliga hatte.

Die Rede ist von  Aljoscha Kemlein, der seit diesem Sommer wieder bei seinem Heimatverein trainiert. Kemlein, gebürtiger Berliner, soll nach Wünschen der Vereinsführung das erste Union-Eigengewächs werden, welches den Durchbruch in der 1. Bundesliga schafft. Dass er im Profifußball zumindest mithalten kann, hat er in der vergangenen Saison bewiesen, mit überzeugenden Auftritten in Hamburg. Nun soll Kemlein den nächsten Schritt machen.

Neuzugänge: Querfeld, Prtajin und Benes werden Unions Kader verstärken

Die Köpenicker haben darüber hinaus bereits drei Neuzugänge für die kommende Saison verpflichtet: Leopold Querfeld (Abwehr, vorher Rapid Wien), Ivan Prtajin (Sturm, Wehen Wiesbaden) und Laszlo Benes (Mittelfeld, zuvor Hamburger SV). Diese Spieler passen vermeintlich perfekt zum klassischen Profil von Union Berlin.

Insbesondere Benes, der gerade erst bei der Europameisterschaft für die Slowakei im Einsatz war, dürfte als potenzieller Startelf-Kandidat gelten und Union den dringend benötigten spielerischen Mehrwert bieten, der dem Team in der vergangenen Saison gefehlt hat.

Kader-Umbau: Union hat die linke Seite als Schwachstelle identifiziert

Doch es werden noch weitere Namen gehandelt, wie etwa der des Mittelstürmers Iker Bravo, aktueller U19-Nationalspieler Spaniens und noch in Diensten von Bayer Leverkusen. Mit Elias Saad, Arkadiusz Reca und Ricardo Mangas werden drei weitere Namen gehandelt, die allesamt auf der linken Seite einsetzbar wären.

Hier hat Sportchef Horst Heldt offenbar eine empfindliche Schwachstelle ausgemacht. Ob diese in der kommenden Saison weiterhin von Robin Gosens besetzt werden soll, oder ob der Verein hier etwas Neues versuchen will, werden die kommenden Wochen zeigen.

Eines scheint indes klar: Nicht nur in der Führungsebene, auch in der Mannschaft stehen bedeutende Veränderungen an. Wie gut und robust die Mannschaft den anstehenden Wandel sportlich letztlich umsetzen kann, bleibt noch abzuwarten.

 

Den neuen Kader fest im Blick: Horst Heldt und Bo Svensson, Unions Neuzugänge in der sportlichen Führung. / © Foto: IMAGO, Matthias Koch

 

Quellen: RBB, Kicker, Berliner Zeitung, transfermarkt.de, 1. FC Union Berlin

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