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Dörfliche Fußballkultur im hohen Norden: Der VfB Hermsdorf Berlin

Bis zum Abstieg 2016 hatte der VfB Hermsdorf 18 Jahre lang ununterbrochen in der Berlin-Liga gespielt, und eigentlich sogar Ambitionen auf die Oberliga angemeldet. Doch seit sieben Jahren warten die Nord-Reinickendorfer nun auf die Rückkehr in Berlins höchste Spielklasse. Das größte Highlight der Vereinsgeschichte war jedoch ein anderes. Im Halbfinale des Berliner Landespokals gelang den Hermsdorfern 2007/08 ein sensationeller Auswärtssieg in der Alten Försterei, gegen niemand geringeren als den 1. FC Union Berlin.

© Foto: Wikimedia Commons, Canva
Text: Björn Leffler

 

Ganz im hohen Norden Berlins, kurz bevor es der Bundesstraße 96 folgend über die Stadtgrenze hinüber nach Brandenburg geht, befindet sich einer der traditionsreichsten Berliner Sportvereine: der Verein für Bewegungsspiele Hermsdorf, dessen fußballerische Heimat die ruhig gelegene Sportanlage an der Seebadstraße ist, unweit vom Strandbad Lübars und dem Heimatmuseum Reinickendorf, eingebettet in die weitläufige Wald- und Wiesenlandschaft rund um das Tegeler Fließ, die den Amateurfußballern nicht selten als Trainingsstrecke für Konditionsläufe dient.

Der Verein, der 1899 gegründet wurde, gehört zu den ältesten Vereinen der Hauptstadt. Die Rot-Weißen aus Nordberlin zählen über 3.500 Mitglieder und damit auch zu den größten Vereinen des Bezirks Reinickendorf. Der Verein bietet seinen zahlreichen Mitgliedern ein breit gefächertes Spektrum an Möglichkeiten: nicht weniger als 18 unterschiedliche Sportarten bietet der VfB Hermsdorf an, neben Fußball sind darunter Sportarten wie Basketball, Badminton, Handball, Leichtathletik oder Kung-Fu vertreten.

VfB Hermsdorf: einer der ältesten Sportvereine Berlins

Der Trainings- und Spielbetrieb wird hauptsächlich auf dem Sportgelände an der Seebadstraße durchgeführt, wo ein Natur- und ein Kunstrasenplatz zur Verfügung stehen, welche sich der Verein mit der angrenzenden Fließtal-Grundschule teilt, wie auch die auf dem Schulgelände stehende Turnhalle. Angrenzend an die Fußballplätze befinden sich noch einige Tennisplätze mit Sandbelag. Zusätzlich haben die Fußballer des Vereins die Möglichkeit, auf zwei weitere Plätze an der Heidenheimer Straße auszuweichen, die von mehreren Vereinen des Bezirks genutzt werden.

Zu den größten sportlichen Erfolgen der Fußballabteilung gehören mit Sicherheit die Spiele gegen den 1. FC Union Berlin im Rahmen des Berliner Landespokals. Im Halbfinale 2007/08 gelang den Hermsdorfern in der Alten Försterei nach einem 1:1 nach 90 Minuten sensationell der Einzug ins Endspiel: sie gewannen die Partie mit 8:7 im Elfmeterschießen. Ein Jahr später gelang dem VfB erneut der Einzug ins Halbfinale, und wieder hieß der Gegner 1. FC Union Berlin. Wieder konnte man die Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus ins Elfmeterschießen zwingen, unterlag dann allerdings mit 1:4. Die beiden Halbfinalpartien sind in Hermsdorf bis heute legendär.

Bis 2016 spielte der Verein 18 Jahre lang ununterbrochen in der Berlin-Liga

Im Jahr 2016 mussten die ersten Herren mit dem Abstieg aus der Berlin-Liga einen, sportlich gesehen, schweren Schlag hinnehmen. Der Verein, der es insgesamt auf 18 Spielzeiten und 630 Spiele in der Berlin-Liga gebracht hat, liegt bis heute auf dem sechsten Platz der ewigen Tabelle der Liga, mit 249 Siegen und 898 Punkten. Diese 18 Jahre verbrachten die Hermsdorfer ununterbrochen in der Berlin-Liga. Zum ersten Mal seit 1998 also fand die Berlin-Liga in der Saison 2016/17 ohne den VfB Hermsdorf statt.

In der Landesliga sollte eigentlich der direkte Wiederaufstieg in Angriff genommen werden. Statt BFC Preussen, Tasmania oder Blau Weiß 90 hießen die Gegner nun Hohen Neuendorf, Wittenauer SC oder Stern Marienfelde. Immerhin standen damit einige spannende Lokalderbys an. Bei der Mission “Wiederaufstieg” setzte der Verein auf einen neuen Trainer: Der 59-jährige Detlef Fitzek sollte die VfB-ler wieder zurück in die Berlin-Liga führen, unterstützt von Co-Trainer Uwe Großmann (51), doch das Vorhaben misslang.

Seit dem Abstieg gelang dem VfB Hermsdorf nicht mehr die Rückkehr in die Berlin-Liga

Im ersten Jahr in der Landesliga landeten die ersten Herren des VfB lediglich auf dem elften Rang. Die beste Platzierung seit dem Abstieg im Jahr 2016 war ein zweiter Platz in der Saison 2019/20, doch die Berlin-Liga ist bis heute ein nicht erfüllter Wunsch geblieben. Derzeit liegt das Team in der aktuellen Saison auf Platz 7.

Der VfB Hermsdorf hat die Berlin-Liga daher wohl eher mittelfristig im Blick, der Weg zur Rückkehr in die Berlin-Liga ist steinig. Der Verein, der lange sogar auf den Aufstieg in die Oberliga spekuliert hatte, will in den kommenden Jahren aber unbedingt zurück in Berlins höchste Liga. Eine Liga, in die der Traditionsverein aus dem Norden eigentlich auch gehört.

 

Quellen: Berliner Woche, FuPa, VfB Hermsdorf, Wikipedia, Kicker, Fußball-Woche